Das Labyrinth
im Ostgarten

Was ist ein Labyrinth?

Ein Labyrinth im engeren Sinne ist die künstlerische Gestaltung eines verschlungenen Weges, der unter häufigem Richtungswechsel zum Mittelpunkt der konzentrisch gestalteten Anlage geleitet. Labyrinthe führen (im Gegensatz zu Irrgärten) nicht in die Irre und kennen auch keine Sackgassen. Sie werden seit Jahrtausenden konstruiert, um Menschen, die sie begehen, in eine langsame Gangart einzuüben. Neben die Zweckrationalität, die unser Leben von Tag zu Tag bestimmt und über weite Strecken auch bestimmen muss, stellt das Labyrinth eine andere, komplementäre Sichtweise des Lebens: Es kann bereichernd, erhellend, vertiefend sein, sich dem Ziel auf Umwegen, langsamer, intensiver zu nähern.

Labyrinth und Spiritualität

Nicht umsonst ist die Kunstform des Labyrinths in der christlichen, besonders in der klösterlichen Tradition so tief verwurzelt. Im Abstreifen von äußerlichen Einflüssen und in der Konzentration auf den Weg zur Mitte, in der alle mystischen Traditionen der Menschheit einen besonderen Ort der Gottesbegegnung ausgemacht haben, kann menschliche Existenz in ihrer ganzen Tiefe und Reichhaltigkeit erfahren werden. Ein Bauwerk in der Form eines Labyrinths unterstützt diesen Weg durch seine in mehreren Umgängen um das Zentrum herum gestaltete Form und hilft dem Suchenden, nicht nur geistig, sondern auch körperlich aufzubrechen.

 

Gernot Candolini,

Erbauer des Frenswegener Labyrinths, geb. 1959, ist Schulleiter der Montessorischule in Innsbruck, Lehrer, Autor und Labyrinthebauer. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema Labyrinth und hat unter anderen die Bücher "Labyrinth - Inspiration zur Lebensreise" (Herder) und "Labyrinth - Wege der Erkenntnis und der Liebe" (Claudius) veröffentlicht.

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